Archiv für Oktober 2015

Resolution der Mitgliederversammlung am 10.10.2015

Die lauter werdende Aussage seitens der Politik und der Medien, die Grenze der Aufnahmefähigkeit Geflüchteter sei angesichts knappen Wohnraums erreicht, soll von selbst gemachten Problemen ablenken. Stattdessen sind die Schwierigkeiten bei der Unterbringung Geflohener Ausdruck verfehlter Politik der letzten Jahrzehnte.

Wohnungsbau dient hierzulande – gesetzlich abgesichert – in erster Linie Profitinteressen. Daraus resultiert der Mangel an bezahlbarem Wohnraum.

In der Öffentlichkeit wird der Eindruck erweckt, verschiedene marginalisierte Gruppen stünden in Konkurrenz um knappe Ressourcen.
Diese vermeintliche Knappheit ist tatsächlich eine Frage (gesellschaftlicher) Umverteilung.

Daher:
Flüchtende aufnehmen, Transit ermöglichen
Wohnraum für alle! egal mit welchem Pass oder ohne Pass.
Nutzung von Leerstand
Schaffung von bezahlbarem Wohnraum

Gruß von der Insel

Liebe Menschen, das Nebenhaus nähert sich der vorläufigen Fertigstellung, das Haupthaus wird immer wohnlicher und wir schaffen es irgendwie Arbeit, politisches Engagement und Privates unter einen Hut zu bringen. Kurz, es geht uns gut. Leider gibt es wie immer ein paar Spielverderber. Etwa „besorgte Bürger“, die seit 3 Wochen die dringend benötigte Notunterkunft für Geflüchtete in der Thäterstraße blockieren. Diese fordern auch mehr Sicherheit in Übigau. Angesichts der Tatsache, dass nicht besorgte Bürger seit beginn der Blockade vermehrt verbal und tätlich angegangen werden erscheint uns das ziemlich paradox. Diese vermehrte Aktivität krimineller Deutscher bringt uns auch zu einigen Mitspielern, die die Regeln in einer pluralistischen Gesellschaft noch weniger verinnerlicht haben als die „besorgten Bürger“ von der Thäterstraße. In der Nacht zum Montag den 19. Oktober („Pegidageburtstag“) überfielen ca. 10 Vermummte unser Haus und konnten zum Glück nur einige Scheiben kaputt machen. Unter mehr lesen gibt es den Text unserer Pressemitteilung dazu.
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Angriffsversuch auf unser Hausprojekt

Am 4. Oktober 2015 gegen 20.00 Uhr versuchte eine Gruppe von etwa 10 Vermummten unser Wohnhaus in Dresden Übigau anzugreifen. Einer der Angreifer konnte auf das Grundstück gelangen und den Briefkasten beschädigen. Nachdem Bewohner_innen des Hauses den Vorfall bemerkten, flüchteten die Angreifer.
Die Bewohner_innen unseres Hauses engagieren sich für Geflüchtete und treten öffentlich gegen Rassismus auf, unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Bündnis Pieschen für alle. Deswegen üben sie Kritik an der Blockade der Turnhalle in der Thäterstraße und engagieren sich für eine lebendige Willkommenskultur in Übigau. Statt den im Stadtteil ankommenden Geflüchteten mit Abwehr zu begegnen, will sich unser Wohnprojekt dafür einsetzen, dass sich die Geflüchteten in der neuen Umgebung zurechtfinden und akzeptiert fühlen.
In den vorhergehenden Tagen kam es im Zusammenhang mit der Blockade der Turnhalle in derThäterstraße sowohl zu Anfeindungen gegen Menschen, die Kritik an der Versammlung üben, als auch gegen Journalist_innen. Auch vor unserem Wohnprojekt haben seit Beginn der Blockade Gruppen immer wieder provoziert, Bewohner_innen beleidigt und das Haus fotografiert. Judith Seifert, Bewohnerin des Hauses, erklärt: „Wir sehen die erhöhte Aufmerksamkeit auf das Haus und den Angriff im direkten Zusammenhang mit der Präsenz von Neonazis und Rassisten an der Turnhalle. Entgegen der Behauptung der Blockierenden, es würde sich um eine friedliche Anwohnerversammlung handeln, werden von dort aus Andersdenkende bedroht und eingeschüchtert.“ Für die Bewohner_innen entsteht so eine bedrohliche Situation. Peter Richter, Bewohner des Hauses, dazu: „Wenn ich abends weggehe, vergewissere ich mich jetzt, dass keine Neonazis vor dem Haus auf mich warten. Wirklich gefährlich ist die Situation aber für meine Bekannten, die nicht typisch deutsch aussehen“.
Für die Hausbewohner_innen ist die derzeitige Bedrohungssituation eine direkte Folge der Untätigkeit der Stadt und der Polizei gegenüber der Blockade an der Turnhalle. Da die nicht angemeldete rassistische Demonstration, die bereits Rettungskräfte an ihrer Arbeit hinderte, nicht einmal mehr durch Polizeistreifen beobachtet wird, können sich auch gewaltbereite Neonazis dort sammeln und ungehindert agieren. Für uns als Mangelwirtschaft ist die Untätigkeit der Polizei in
Übigau nicht verwunderlich. Auch in Heidenau und Freital hat die Polizei das sichtbar hohe Gewaltpotential rassistischer Versammlungen stark unterschätzt und verfolgt die dort verübten Straftaten nicht konsequent. Außerdem begünstigt die weitgehende Akzeptanz rassistischer Meinungsäußerungen im Viertel die menschenfeindlichen Proteste. Diese schüren eine Atmosphäre, in der sich Rassist_innen ermutigt fühlen, ihren Ressentiments Taten folgen zu lassen und Übergriffe auf Andersdenkende oder ihrer Ansicht nach anders Aussehende zu begehen. Dem wollen die Bewohner_innen der Mangelwirtschaft gemeinsam mit Anderen eine weltoffene Perspektive entgegensetzen und Begegnungsmöglichkeiten zwischen alteingesessenen und neu angekommenen Übigauer_innen schaffen.